Howay man! – Der Geordie Accent

Newcastle Upon Tyne Typisch für Newcastle - Die vielen Brücken ©Camilla Annabith

Wie klingt eigentlich „richtiges“ Englisch? Das, was man in der Schule lernt, kann es doch nicht gewesen sein, oder? Genau diesen Gedanken hatte ich, als ich beschloss, mein Auslandssemester in Großbritannien, genauer gesagt in Newcastle Upon Tyne zu machen. Newcastle liegt in North East England, und dort wird der sogenannte „Geordie Accent“ gesprochen laut „The Telegraph“ „the most sexiest accent in the UK“. Ohne es davor zu wissen, hatte ich mit meiner Auswahl des Studienortes also mitten ins Schwarze getroffen. Aber was macht die Geordies und ihren Dialekt eigentlich so besonders?

Nun, die Antwort auf diese Frage lässt nicht lange auf sich warten. Wer einmal in North East England war, (übrigens ist diese Region nur 8592 km2 groß und hat nicht ganz 3 Millionen Einwohner) wird wissen, was es bedeutet, wenn der scheinbar einfache Dialog mit der Barrista im Coffeeshop plötzlich zu einem sprachlichen Abenteuer der Extraklasse wird. Wenn aus dem „no“ ein „nee“, aus dem „man“ ein „gadgie“ und aus „good“ „canny“ wird, dann führt das irgendwann halt zu Verständigungsschwierigkeiten. Das ratlose Gesicht, das ich damals machte, hat der Barrista wohl gezeigt, dass ich kein Wort verstand. Machte aber nichts, meinen Kaffee bekam ich trotzdem.

So weit so gut. Die Geordies sind also nette Leute, die man zwar nicht immer versteht, aber das geht den Deutschen mit uns Österreichern wohl oft auch nicht anders. Doch woher kommt der Begriff „Geordie“ eigentlich? Dafür gibt’s mehrere Theorien. Eine davon: Er leitet sich einfach nur von „George” ab. Dieser Name war in der einstigen Kohleabbaustadt Newcastle ziemlich üblich. Eine andere Theorie ist jene von den Lampen für die Bergarbeiter. Die Lampen wurden „geordie lamps“ genannt, entwickelt von George Stephenson. Nun ja, heute sind mit den Geordies meist Leute aus Newcastle und North East England sowie Fans des Fußballclubs Newcastle United gemeint. Kohle wird zwar immer noch abgebaut, aber der bekanntere Export dürfte wohl die Show „Geordie Shore“ sein. Und diese Show ist genauso populär wie sie fürchterlich ist. Trinkfeste Briten machen einen drauf – mit allem dazugehörigen Drama. Die Serie wurde mittlerweile sogar in die USA exportiert und erfreut sich seit Jahren passabler Einschaltquoten.

Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema. Der Geordie Accent ist beliebt. Dazu tragen wohl auch Promis wie Cheryl Fernandez-Versini (vorher Cheryl Cole; kommt aus Newcastle und hat’s mittlerweile zur Jurorin bei der Castingshow „The X-Factor“ gebracht) oder auch Sting bei. ABER: Der Dialekt ist extrem schwierig zu erlernen. Mal ganz abgesehen davon, dass er eigenen grammatikalischen Regeln folgt und auch das Vokabular zum Teil alles andere als Englisch klingt. Überzeugen kann man sich mit diesem Video.


Aber ehrlich: Ich mag den Geordie Accent. Selbst kann ich ihn zwar nicht sprechen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wer also die Geordies versteht, kann wohl mit Recht von sich behaupten, im Englischen Sprachdschungel zurechtzukommen. Zum Schluss noch zwei paar Fun Facts.

  • Nachdem Geordie ja angeblich der „sexiest british accent“ ist: Newcastle ist auf Platz drei was Callcenter im Vereinten Königreich angeht. Auf offizieller Seite heißt es zwar immer, das hat nichts mit dem Akzent zu tun. Aber irgendwo kann man einem Gesprächspartner am Telefon, der Wörter wie „nappa“ für „head“, „had ya watta“ für „take your time“ und „scratcha“ für „bed” verwendet doch nicht böse sein. Oder?
  • Cheryl Fernandez-Versini ist ja, wie vorher erwähnt, Jurorin bei „The X-Factor“. Als das Format in die USA exportierte wurde sie nach einem verpatzten Auftakt der Show gefeuert, um Jahre später in Großbritannien wieder zur Show zurückzukehren. Showgründer Simon Cowell nennt zwar andere Gründe, aber manche sagen, dass man Angst hatte, in Amerika würde man Cheryls Akzent nicht verstehen.

Das wars so weit vom Geordie Accent. Wer Lust bekommen hat, sich diesen Akzent anzueignen (er klingt ja schon außergewöhnlich), für den gilt jetzt eines: Auf nach Newcastle!

 

Benjamin Barteder studiert Journalismus und Public Relations (PR) an der FH JOANNEUM in Graz. Sein drittes Studiensemester verbrachte er in Newcastle Upon Tyne. Nach einigen sprachlichen Verwirrungen kam er dort sehr gut zurecht. Wenn er nicht an der FH ist, schreibt er Blogeinträge wie diese, treibt Sport oder wartet sehnsüchtig auf die neueste Folge von Game Of Thrones. Er ist auch auf Twitter: barti_b

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