Links fahren für Anfänger – So verlierst du nicht die Nerven

Linksfahren Linksfahren

Viele Urlauber auf den britischen Inseln trauen sich nicht aus den großen Städten heraus. Das liegt nicht nur an den hohen Transportkosten. Dafür haben wir euch nämlich schon eine Alternative aufgezeigt, das Mietauto. Und da kommt die zweite große Angst auf: „Die Briten, die fahren doch auf der falschen Straßenseite.“

Abgesehen davon, dass es eigentlich die richtige – weil angeblich traditionell aus dem Mittelalter übernommene – Straßenseite ist, ist die Fahrt mit einem britischen Auto gar nicht so schlimm.

Hier ein paar Tipps und Tricks:

  1. Die Schwierigkeit bei einem britischen Auto ist, dass man nicht nur auf der linken Seite fährt, sondern auch auf der rechten Seite des Fahrzeugs sitzt. Die Dimensionen des Fahrzeugs und die Perspektive sind ungewohnt. So kommt es, dass Anfänger oft zu weit links fahren. Beim ersten Mal habe auch ich in den engen Straßen einen Seitenspiegel abradiert. Hier hilft ein regelmäßiger Blick in den linken Seitenspiegel. Ist der Abstand zum Straßenrand zu groß, dann sollte man entsprechend reagieren.

    Auf der Towerbridge wird links gefahren.

    Auf der Towerbridge wird links gefahren.

  2. Die nächste Herausforderung ist das Schalten. Sitzt man auf der rechten Seite des Fahrzeuges, so muss man mit der linken Hand schalten. Soweit so gut. Jetzt wird es aber tricky. Denn das Getriebe ist baugleich zu den kontinentalen Fahrzeugen. Das heißt, für den ersten Gang müsst ihr den Schaltknüppel nicht zu euch ziehen, sondern von euch weg drücken. Das ist einfacher gesagt als getan. Übt das am besten indem ihr euch zu Hause in eurem Auto auf den Beifahrersitz setzt und die Gänge durchschaltet. Und selbst dann wird es euch immer wieder passieren, dass ihr beim Schaltversuch reflexartig mit der rechten Hand gegen die Scheibe klopft.

  3. Nächster Punkt: Kreisverkehre. Die sind nämlich scheinbar eine britische Erfindung und deshalb gibt es in Großbritannien so viele Kreisverkehre wie in kaum einem anderen Land. Sogar eigene Websites und Kalender widmen sich dem Kreisverkehr. Aber keine Sorge, die meisten sind gut beschildert und oft sogar mit Ampeln versehen. In gewisser Weise ja ein Widerspruch – zumindest dachte ich immer, dass Kreisverkehre Ampeln ersetzen sollten. Doch Kreisverkehre erreichen auf der Insel oft Dimensionen, dass es scheinbar ohne Ampel nicht funktioniert. Also ist auch das keine Hexerei. Nur eines dürft ihr bitte nicht vergessen: auf der Insel fährt man den Kreisverkehr im Uhrzeigersinn!

  4. Achtung auf der Autobahn. Denn die Kriechspur ist – no na – auf der linken Seite. Das heißt, wenn ihr gemütlich cruisen wollt, dann macht das auf der linken Seite. Auf der rechten Seite wird nämlich überholt. In weiterer Konsequenz heißt das natürlich auch, dass die Autobahnabfahrten links sind.

    Auch die Ausfahrt auf der Autobahn ist links.

    Auch die Ausfahrt auf der Autobahn ist links.

  5. Und wie mach ich das nun mit dem Überholen? Ganz einfach, so wie bei uns. Du schaust einfach genau. Und hier gibt es eine Herausforderung für Leute, die mit dem eigenen Auto nach England fahren. Hängt ihr hinter einem LKW, seht ihr einfach nichts und könnt auch nicht rechts am Lastwagen vorbeischauen. Ergo, mit dem eigenen Auto ist überholen sehr riskant. Außer man hat einen guten Beifahrer.

  6. Aufpassen sollte man außerdem beim Ausweichen. Besonders am Land gibt es viele kleine und enge Straßen, die eigene Plätze, sogenannte “passing places” zum Ausweichen haben. Wer so einen Platz auf der linken Seite hat, sollte diesen auch nutzen. Johanna und ich haben in Schottland oft Autofahrer gesehen, die für Verwirrung sorgten, weil sie auf der rechten Seite ausgewichen sind. Und das waren garantiert Touristen. 😉

    Bitte immer links ausweichen.

    Bitte immer links ausweichen.

Eine Bloggerkollegin – das „Fräulein draussen“ – hat auch über die Herausforderungen britischer Straßen sehr lesenswert geschrieben. Schaut euch den Link an.

Und, dass Linksfahren auch lustig sein kann, das zeigt mein Freund “enlargeyourpen” in folgendem Video.

Hier noch ein Funfact zum Thema „links fahren“: Wusstet ihr, dass bis in die 1930er Jahre auch in Teilen Österreichs links gefahren wurde? Nur in Tirol, Vorarlberg und Teilen Salzburgs wurde schon davor rechts gefahren. Erst mit dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland kam eine einheitliche Regelung.

Seid ihr schon einmal links gefahren? Erzählt uns von euren Erfahrungen. Habt ihr vielleicht sogar den einen oder anderen eigenen Tipp? Lasst ihn uns in den Kommentaren wissen.

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  • Kathrin

    Hallo ihr zwei! Danke für die Verlinkung 🙂 Bin gespannt, was ihr hier auf dem Blog in Zukunft so macht und schreibt. Ich liebeliebeliebe die britischen Inseln!!

    Viele Grüße aus München
    Kathrin (Fräulein Draußen)

    • Michael Neumayr

      Hallo Kathrin. Uns geht es auch so. Der Redaktionsplan für dieses Jahr ist schon fast voll. Es sprudelt nur so an Ideen. Und ich bin mir sicher wir finden bei dir auch immer wieder tolle Zusatzinfos.

  • Hehe, vielleicht trau ich mich beim nächsten Mal – war schon oft in England, aber gefahren bin ich noch nie selber. Gibraltar hat ja keinen LV mehr.

    Vielleicht trau ich mich beim nächsten Mal – freut mich jedenfalls, dass ich diese Seite dank des Blogger-Kommentiertags entdeckt habe.

    • Probier es aus, Richie. Nach den ersten 20 Minuten geht es wie von allein. Pass nur auf, dass du dann am ersten Tag in Österreich genauso konzentriert fährst, es ist nämlich schon auch eine Umstellung zurück.

  • ich bin ja links fahren aus bali gewöhnt, allerdings nur aufm roller. da hab ich mir schon immer gedacht: mitm auto möchte ich das nicht. aber mit euren tipps kann ich mich da auch drüber trauen
    alles liebe, andrea

    • Danke für das Lob. Wie schon bei Datadirt geschrieben, nach 20 Minuten hat man das schon ganz gut im Griff.

  • Pingback: datenschmutz Blog()

  • Klar, bisschen umgewöhnen muss man sich schon. Aber dafür sind die Kreisverkehre wesentlich logischer weil innen immer rechts ist, daher ohne Nachrangtaferlschilderwald und denken möglich.
    Weiters funktioniert das Reißverschlussystem anstandslos, die Briten haben aber generell mehr Disziplin im Straßenverkehr …

    • Du hast Recht Michi, manches wird auch einfacher. Die Briten haben nicht nur mehr Disziplin, sondern sind auch geduldiger. Besonders in der Nähe von Touristenattraktionen habe ich das gemerkt. Und die Geduld, die die Autofahrer auf der Isle of Skye in Schottland aufgebracht haben war wirklich bemerkenswert. Dort gibt es oft nur einspurige Straße, bei Gegenverkehr kann es dann schon interessant werden.

      • 🙂 Erinnert mich an eine Autofahrt auf den Äußeren Hybriden im Norden. oder im Wales: Single-Track, also einspurig. Um die Kurve und Notstop;-) Irgendwer fährt halt dann bis zu letzten/nächsten Ausweichstelle aus – ganz ohne Probleme. Bisschen mehr Geduld braucht man da allerdings für Schafherden…..

        • Das gehört einfach dazu. Sonst wär der Schottlandurlaub ja nicht echt.

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  • Hi Michael,
    das erste Bild ist genial 😀
    Habe mir noch nie so wirklich Gedanken darüber gemacht, dass es wirklich so kompliziert sein kann, auf der linken Seite zu fahren. Jetzt möchte ich es aber unbedingt mal ausprobieren und rausfinden, wie ich mich dabei anstelle.
    Viele Grüße
    Christina

    • Michael Neumayr

      Wie gesagt. Es ist halb so wild. Nur bei engen Straßen muss man dran denken und richtig ausweichen.