Norwich: Shoppen in einer britischen Provinzstadt – Teil 1

Jarrolds in Norwich

Seien wir uns ehrlich, Norwich ist eine Provinzstadt. Es ist nicht London und wer nur zum Shoppen nach England pilgert, der ist dort vielleicht besser aufgehoben. Trotzdem bietet die Hauptstadt Norfolks genug Möglichkeiten, die Geldtasche zu zücken und zwar auch abseits der immer gleich aussehenden Einkaufszentren, die man in praktisch jeder britischen Provinzstadt findet.

Der Markt von Norwich

Der Markt von Norwich bietet nicht nur Lebensmittel.

Der Markt von Norwich hat nur noch sieben Gemüsehändler, bietet aber viel mehr.

Prägend für die Stadt ist auf jeden Fall der Marktplatz direkt vor dem Rathaus. Rund 200 fest gebaute Stände aus Metall mit unterschiedlich gefärbten Dächern erzeugen ein Labyrinth aus kleinen Fachgeschäften: vom Fleischhacker über einen Blumenladen bis zum Ramschladen ist alles vertreten. Es ist genau das Flair, das man sich von einem echten Marktplatz erwartet. Die „Standler“ kennen sich untereinander, es gibt noch echte Beratung und man springt von Stand zu Stand und kann sich eigentlich alles, was man für den täglichen Bedarf braucht, zusammensuchen. Trotzdem haben die

Bestes Brot, direkt vom Markt.

Bestes Brot, direkt vom Markt.

Supermärkte ihren Beitrag dazu geleistet, den Markt zu verändern. 1979 gab es noch 70 Obst- und Gemüsehändler am Markt. 2010 waren es gerade einmal sieben. Dafür sind andere Läden eingezogen. Der Stand mit dem selbstgerösteten Kaffee, betrieben von einer Französin, hat es uns zum Beispiel besonders angetan.

Das Besondere am Norwich Market ist aber, dass er an dieser Stelle seit mehr als 900 Jahren existiert. Damals, im elften Jahrhundert, wurde der Marktplatz von der Kathedrale weg hin zum aktuellen Standort übersiedelt. Damit besteht der Markt sogar 400 Jahre länger als das alte Rathaus, die Guildhall, das unmittelbar neben dem Marktplatz liegt. Die aktuell fest verbauten Stände existieren übrigens erst seit zehn Jahren und die bunten Dächer sollen an die alten Marktstände, die oft Zelte waren, erinnern.

Jarrold: Ein Kaufhaus mit jahrhundertelanger Tradition

Aber auch für die größere Geldtasche gibt es eine spannende Shoppingmöglichkeit. Denn ähnlich wie in Graz, mit Kastner & Öhler, hat auch in Norwich eines der klassischen Einkaufshäuser dem Druck der Shopping Malls stand gehalten. Jarrold heißt das traditionelles Kaufhaus der Stadt. Seit 1823 ist man in Norwich vertreten, nachdem das Geschäft ursprünglich als Jarrolds & Sons 1770 in Suffolk gegründet worden war. Seitdem ist das Unternehmen ein Familienbetrieb direkt am oben erwähnten Markt und bietet von Mode und Schmuck über Haushaltsartikel bis zur Feinkost einfach alles, was man sich so wünschen kann.

Royal Arcade

Im Royal Arcade waren früher Pferde untergebracht.

Im Royal Arcade waren früher Pferde untergebracht.

Eine weitere sehr sympathische Einkaufspassage ist die Royal Arcade direkt im Zentrum Norwichs. Denn besonders die Geschichte dieses frühzeitlichen Einkaufszentrums hat mich fasziniert. Ursprünglich war es nämlich eine zentrale Haltestelle für Coaches, also jene Pferdekutschen, die damals das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs darstellten. Doch mit dem Aufkommen der Eisenbahn waren diese ungemütlichen und engen Kutschen überflüssig geworden. Übrig blieb die Station mit ihren aufwändigen Stallungen. Und um das Gebäude nicht ungenutzt zu lassen, wurde daraus 1899 eine Shopping Arcade, die sich vor allem dem Luxus verschrieben hat. Im Jugendstil gestaltet, zeigt sich die Royal Arcade auch heute noch sehr edel und beherbergt zahlreiche exquisite und eigenständige Shops. Der Spielzeugladen direkt am Eingang zum Beispiel existiert seit der Eröffnung. Und auch die für die Region identitätsstiftende Senfmarke Colman’s hat hier einen eigenen Flagshipstore mit integriertem Museum. Davon will ich euch aber im nächsten Beitrag erzählen.

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