Norwich bietet Überraschungen mit vielen versteckten Schätzen

Auf den zweiten Blick ist Norwich eine feine Perle des englischen Mittelalters. Wer sich für die Geschichte des Landes interessiert, muss unbedingt hier vorbeikommen.

Wie schon erzählt, war unser allererster Eindruck von Norwich nicht der Beste. Doch davon wollten wir uns nicht entmutigen lassen. „Do not judge a book by its cover“, sagt man so schön und deshalb haben wir uns ganz klassisch eine Fremdenführerin organisiert.

Und das geht ganz einfach. Gruppenführungen werden vom lokalen Tourismusbüro für gerade einmal vier Pfund pro Person angeboten. Der Startpunkt für die sechs verschiedenen Thementouren ist meist das Veranstaltungszentrum „The Forum“, das direkt in der Altstadt liegt. Dort bekommt man auch die Tickets. Die Tour zum Cathedral Quarter startet jedoch am Erpingham Gate, direkt bei der Kathedrale. Wir haben uns für die „City of centuries“ Tour entschieden, um etwas mehr über die spannende Geschichte der Stadt zu erfahren. Und es sind vor allem die Details, die Norwich besonders spannend machen.

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Ein geschäftiger Markt vor dem “Forum” in der Innenstadt.

Fay, unser Guide, hatte jede Menge Geschichten für uns parat. Nicht nur weil sie sich in der Stadt perfekt auskennt, sondern auch, weil sie hier Jahrzehnte als Anwältin gearbeitet hat. So kann sie aus erster Hand erzählen, dass die Guild Hall, das alte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, bis in die 1980er-Jahre noch als Gerichtsgebäude fungierte. Und schon vor mehr als 500 Jahren war im Haus der Chief Constable untergebracht. „Und natürlich wurde das Verlies aus dieser Zeit auch bis in die 80er als Gefängnis für die Untersuchungshäftlinge verwendet“, erzählte Fay. Zumindest sei die Infrastruktur des Verlies modernisiert worden. Bemerkenswert bei der Guild Hall ist die Verwendung von Feuersteinen für den Bau, denn damals sind in erster Linie Kirchen mit diesem teuren und aufwändig herzustellenden Baumaterial gebaut worden. Dominiert wird der Hauptplatz aber vom benachbarten neuen Rathaus, das angeblich über den längsten Balkon Großbritanniens verfügt.

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Die City Hall in Norwich mit ihrem mächtigen Balkon.

Es wurde 1938 eröffnet und hat nur durch Glück den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überlebt. Denn Norwich wurde in der Luftschlacht um England mehrmals bombardiert und auch wenige hundert Meter vom Rathaus entfernt explodierte eine Fliegerbombe. „Es gibt den Mythos, dass Hitler bewusst das Rathaus verschont hat, damit er einmal im eroberten England vom längsten Balkon des Landes eine Rede halten kann. Ich kann mir das aber nicht vorstellen“, erzählt Fay.

Norwich als “Ausflugsziel” für Wikinger

Unser Guide Fay kannte sich in Norwich super aus und zeigte uns so manch verborgene Ecke.

Unser Guide Fay kannte sich in Norwich super aus und zeigte uns so manch verborgene Ecke.

Doch der Ursprung der Stadt liegt viel viel weiter zurück. Entstanden ist Norwich aus einigen sächsischen Dörfern, die sich entlang des Flusses Wensum gebildet hatten. Und weil diese wehrlosen Dörfer ein beliebtes „Urlaubsziel“ für Wikinger waren und die Wikinger nach ihren Beutezügen nicht immer zurück ins noch kältere Skandinavien wollten, haben sich auch einige skandinavische Siedlungen gebildet, die „Northwick“ genannt wurden. Teile der Altstadt sind  mehr als 900 Jahre alt und obwohl Norwich heute ein Schattendasein führt, war die Stadt im Mittelalter die zweitgrößte Englands. Immerhin 31 mittelalterliche Kirchen gibt es heute noch hier und die meisten stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Auch der Marktplatz aus dieser Zeit ist noch immer erhalten und lädt auch heute noch zum Gustieren ein. Er bestätigt einmal mehr, dass auch England ein toller Feinkostladen mit regionalen Lebensmitteln der Spitzenklasse sein kann. Interessant ist auch die angrenzende Shopping Archade, die eine ganz eigene und besondere Geschichte hat. Eine Geschichte, die wir euch in einem separaten Blogpost erzählen wollen. Erwähnen könnte man noch, dass in Norwich auch die älteste Fußgängerzone des Landes besteht. Sie wurde 1967 quasi durch Zufall geschaffen. Aufgrund eines Wasserrohrbruchs wurde nämlich eine Straße für den Verkehr gesperrt und weil die Geschäftsleute merkten, dass durch die kurzfristig geschaffene Fußgängerzone mehr Leute in die Geschäfte gingen, wurde die Sperre nicht mehr aufgehoben. Es gibt noch eine Menge zu Norwich zu erzählen, deshalb werden wir uns auch in den kommenden Beiträgen intensiver mit dieser Stadt beschäftigen.

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